Jobdex Datenreport / 02.07.2026 | Read in English
Tech-Stellenanzeigen in Europa
H1 2026
Jobdex sammelt laufend Tech-Stellenanzeigen direkt von den Karriereseiten der Unternehmen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Irland und den Niederlanden, dazu Remote-Stellen mit EU-Zugang, und extrahiert aus jeder Anzeige strukturierte Daten. Seit März 2026 hat diese Pipeline über 13.541 Tech-Stellenanzeigen verarbeitet. Dieser Report misst die 2.533 Anzeigen, die am 2. Juli 2026 online waren: eine Momentaufnahme der offenen Tech-Stellen in diesem Sechs-Länder-plus-Remote-Markt zum Halbjahresende, keine Summe über das Halbjahr. Drei Befunde stechen heraus.
93 %
der Anzeigen (und 89 % der Arbeitgeber) nennen kein Gehalt, wenige Wochen nach Ablauf der EU-Frist zur Entgelttransparenz
70 %
der Tech-Jobs in Deutschland nennen Deutsch nicht als Anforderung
30 %
der Stellen sind vollständig remote; Hybrid liegt knapp vorn
01
Gehaltstransparenz: Das Gesetz ist da, die Gehaltsangaben nicht
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) war bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umzusetzen. Sie gibt Bewerbern unter anderem das Recht, das Einstiegsgehalt oder die Gehaltsspanne einer Stelle zu erfahren, in der Anzeige selbst oder vor dem Vorstellungsgespräch. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatten nur vier Mitgliedstaaten die Frist eingehalten: die Slowakei, Italien, Litauen und Malta. Deutschland hat sie verpasst; die Novelle des Entgelttransparenzgesetzes wird für Anfang 2027 erwartet. Stellenanzeigen sind dabei nur das sichtbare Ende der Pflicht, die Angabe kann auch später im Verfahren erfolgen. Aber die Anzeigen sind der Teil, den der Markt sieht, und sie haben sich nicht bewegt.
Die Stellenanzeigen spiegeln diesen Schwebezustand. Von 2.533 Anzeigen nennen nur 170 (6,7 %) ein Gehalt oder eine Spanne. Zählt man jeden Arbeitgeber nur einmal, wird es kaum besser: Von 536 Unternehmen in der Stichprobe macht nur 60 irgendwo eine Gehaltsangabe. 89 % der Arbeitgeber nennen also in keiner einzigen Anzeige ein Gehalt. Deutschland ist der krasseste Fall: 3 von 861 Anzeigen (0,3 %). Österreich, wo seit 2011 eine Mindestgehaltsangabe in Stellenanzeigen vorgeschrieben ist, zeigt, was Regulierung bewirkt. Beschränkt auf Anzeigen mit Standort in EU-Mitgliedstaaten sinkt die Quote auf rund 2 % (25 von etwa 1.290); britische, schweizerische und US-Standorte heben den Durchschnitt.
Anteil der Anzeigen mit Gehaltsangabe nach Standort
- USA 55 % (22 von 40)
- Österreich 45,7 % (16 von 35)
- Schweiz 15,4 % (14 von 91)
- Remote (ohne festen Standort) 10,4 % (36 von 346)
- Großbritannien 9,7 % (73 von 753)
- Niederlande 2,1 % (4 von 190)
- Irland 1,8 % (2 von 109)
- Deutschland 0,3 % (3 von 861)
Die übrigen 108 Anzeigen an anderen Standorten (Spanien, Frankreich, Tschechien, Serbien und ein langer Rest) enthalten keine Gehaltsangabe; einschließlich dieser summieren sich die Spalten auf 2.533 Anzeigen und 170 Angaben.
Selbst Österreich liegt nicht bei 100 %: Viele österreichische Anzeigen verweisen auf das KV-Minimum, ohne eine Zahl zu nennen, was die Nur-konkrete-Zahlen-Regel nicht zählt. Die Seniorität ändert derweil wenig. Lead-Positionen nennen am häufigsten ein Gehalt (10,5 %), Principal-Positionen am seltensten (4,3 %), alles dazwischen liegt wenige Punkte um den Durchschnitt. Arbeitgeber halten Junior-Gehälter nicht stärker zurück als Senior-Gehälter; das Schweigen ist über alle Stufen gleich.
Wer Gehälter nennt und wer nicht
Gehalt in (fast) jeder Anzeige
- Remote 18 von 18 Anzeigen
- CERN 14 von 19 Anzeigen
- Anthropic 5 von 5 Anzeigen
- Waymo 5 von 5 Anzeigen
- Monzo 4 von 4 Anzeigen
- Reedsy 5 von 6 Anzeigen
- UK Atomic Energy Authority 3 von 3 Anzeigen
- Blackshark.ai 3 von 3 Anzeigen
Keine Gehaltsangabe in irgendeiner Live-Anzeige gefunden (größte im Sample)
- Canonical 103 Anzeigen
- About You 86 Anzeigen
- Graphcore 81 Anzeigen
- Intercom 51 Anzeigen
- Helsing 49 Anzeigen
- MongoDB 45 Anzeigen
- ClickHouse 44 Anzeigen
- SumUp 39 Anzeigen
- Capco 37 Anzeigen
- JetBrains 34 Anzeigen
Beobachtet am 02.07.2026 auf den öffentlichen Karriereseiten der Unternehmen. Dies beschreibt die Praxis in unserer Stichprobe, keine Rechtsverstöße: Mehrere dieser Arbeitgeber sitzen oder rekrutieren außerhalb der EU, wo die Richtlinie nicht gilt. Remote, der Spitzenreiter, verkauft selbst Infrastruktur für Remote-Beschäftigung; CERN und die UK Atomic Energy Authority sind öffentliche Einrichtungen.
Woher die Transparenz kommt
Eine Folgeauswertung am selben Stichtag ordnete jeden Arbeitgeber seinem Hauptsitz zu (545 Arbeitgeber mit 2.561 Live-Anzeigen zu diesem Zeitpunkt; der Bestand bewegt sich im Tagesverlauf). Das Bild wird dadurch schärfer, und für Europa unbequemer. Von den US-Unternehmen macht 23 % irgendwo eine Gehaltsangabe, von den EU-Unternehmen 4,6 %. Deutsche Arbeitgeber bilden das Schlusslicht: 3 von 196 nennen überhaupt ein Gehalt. Von den 171 Anzeigen mit Gehaltsangabe zum Zeitpunkt dieser Auswertung stammen 131 (77 %) von Arbeitgebern mit Sitz in den USA oder Großbritannien. Einen Monat nach Ablauf der EU-eigenen Transparenzfrist ist die Gehaltstransparenz im europäischen Tech-Recruiting also größtenteils importiert. Die Ausnahme bestätigt die Regel: 4 von 9 österreichischen Arbeitgebern nennen Gehälter, unter einem Gesetz, das das seit 2011 vorschreibt.
- Österreich 44,4 % (4 von 9 Arbeitgebern)
- USA 23 % (35 von 152 Arbeitgebern)
- Großbritannien 16,9 % (11 von 65 Arbeitgebern)
- Übrige EU 9,1 % (5 von 55 Arbeitgebern)
- Schweiz 5,3 % (1 von 19 Arbeitgebern)
- Deutschland 1,5 % (3 von 196 Arbeitgebern)
Anteil der Arbeitgeber je Hauptsitzland, die in mindestens einer europäischen Anzeige ein Gehalt nennen. Ein Teil des Abstands ist Standortmix (US-Arbeitgeber schreiben überproportional UK- und Remote-Stellen aus, wo Angaben üblicher sind, teils prägen US-Landesgesetze zur Gehaltstransparenz globale Anzeigenvorlagen), der Abstand ist aber in der Unternehmens- wie der Anzeigensicht groß. Hauptsitz je Unternehmen mit Web-Verifikation zugeordnet; 31 von 545 Arbeitgebern blieben unzuordenbar und sind ausgeschlossen.
02
Der deutsche Tech-Arbeitsmarkt spricht Englisch
Von den 861 Tech-Stellen mit Standort in Deutschland setzen 256 (29,7 %) Deutsch voraus. 70 % tun es nicht. Englisch wird dagegen in 92,1 % verlangt. Eine separate Unternehmenssicht: 65 % der 242 Unternehmen, die in Deutschland einstellen, haben mindestens eine Stelle ohne Deutschpflicht. Für internationale Bewerber, die sich wegen der Sprache gar nicht erst bewerben, sagen die Daten das Gegenteil: Sieben von zehn Tech-Stellen in Deutschland sind ohne Deutsch-Anforderung ausgeschrieben.
Anteil der Tech-Stellenanzeigen mit Standort Deutschland nach Deutsch-Anforderung.
03
Remote ist die Minderheit, Hybrid liegt knapp vorn
Vollständig remote sind 30,2 % der Stellen. Hybride Modelle liegen mit 31,3 % knapp vorn, ein Abstand innerhalb der Klassifikationsunschärfe, und rund jede sechste Anzeige macht zur Remote-Frage gar keine Angabe und lässt die Frage damit offen.
- Hybrid 31,3 %
- Vollständig remote 30,2 %
- Vor Ort 21 %
- Keine Angabe 17,4 %
04
Was Arbeitgeber wirklich verlangen
Python taucht in 31,1 % aller Anzeigen als harte Anforderung auf, fast doppelt so oft wie jede andere Technologie. LLM-Erfahrung taucht inzwischen in 4,9 % der europäischen Tech-Stellenanzeigen als explizite Anforderung auf.
- 1 Python 787
- 2 AWS 391
- 3 Kubernetes 310
- 4 SQL 307
- 5 Java 285
- 6 TypeScript 278
- 7 Linux 243
- 8 Go 241
- 9 C++ 219
- 10 Docker 210
- 11 Azure 195
- 12 GCP 186
- 13 React 181
- 14 PostgreSQL 176
- 15 Terraform 159
- 16 Git 151
- 17 JavaScript 145
- 18 Machine Learning 137
- 19 LLM 124
- 20 Node.js 123
05
Das Kleingedruckte
Auch jenseits des Gehalts schweigen die Anzeigen zu dem, was Bewerber zuerst fragen. Visum oder Sponsoring kommt in weniger als jeder zehnten Anzeige vor, und die 4-Tage-Woche bleibt ein Rundungsfehler.
- Equity oder Aktienoptionen erwähnt 28,8 %
- Umzug / Relocation erwähnt 11,4 %
- Visum oder Sponsoring erwähnt 9,4 %
- 4-Tage-Woche erwähnt 0,3 %
Methodik
Stichprobe: 2.533 Tech-Stellenanzeigen, online am 2. Juli 2026, gesammelt direkt von den Karriereseiten der Unternehmen über deren Bewerbermanagementsysteme (Greenhouse, Lever, Ashby, SmartRecruiters, Workday, Personio, Recruitee, Join und Teamtailor). Der Fokus liegt auf Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Irland und den Niederlanden, plus Remote-Stellen mit EU-Zugang. Strukturierte Felder (Gehalt, Standort, Remote-Modell, Sprachanforderungen, Tech-Stack, Seniorität) werden LLM-gestützt aus dem Anzeigentext extrahiert und stichprobenartig geprüft; die Pipeline unterscheidet Pflicht- von Wunsch-Technologien, und als Gehaltsangabe zählt nur eine konkrete Zahl in der Anzeige. Einzelne Extraktionsfehler sind möglich; Kontakt über das Impressum, Korrekturen erfolgen schnell. Kennzahlen sind pro Anzeige ausgewiesen und, wo vermerkt, pro Unternehmen mit jedem Arbeitgeber einfach gezählt; beide Messungen liegen bei allen Kernbefunden nur wenige Punkte auseinander. Die Pipeline hat seit März 2026 über 13.541 Tech-Anzeigen verarbeitet; dieser Report misst bewusst nur den Live-Bestand: Er ist der einzige Ausschnitt, der durchgehend nach derselben strengen Gehaltsregel extrahiert wurde (frühere Pipeline-Versionen erfassten auch modellgeschätzte Gehälter, was die Quote überzeichnen würde), er zählt nachveröffentlichte Anzeigen nicht doppelt, und solange die Anzeigen laufen, lässt sich jede Aussage auf den Karriereseiten der Arbeitgeber nachprüfen. Die Aggregate auf dieser Seite sind der archivierte Stand. Die Stichprobe umfasst Arbeitgeber, die über strukturierte ATS-APIs veröffentlichen, also eher techniknahe Unternehmen; die Quoten über alle europäischen Arbeitgeber können abweichen.
Zitieren ausdrücklich erwünscht, mit Link auf diese Seite. Die aggregierten Zahlen gibt es als JSON zum Download, die laufend aktualisierten Daten unter jobdex.io/jobs.